SPIESSER (NIMM MICH MIT)

SPIESSER

SPIESSER (NIMM MICH MIT)

Wenn den ewigen Punks
die Krätze
auf den Armen sprießt
sie ihre Hunde
dreist auf den Steig scheißen lassen
und des nachts Reifen stechen

Wenn das Lehrerehepaar
beide grau und kurz frisiert
gleich groß
und einheitlich gekleidet
Gebetsfähnchen spannt
über hochgestelzter Terrasse

Wenn die Machos an der Ecke
vor dem Wettbüro so gelblich
ihre Samenschalen spucken
und Kinderhorden
auf der Straße bis in die Nacht
»Anneeeee!« zu den Fenstern schreien

Wenn der selbstgekrönte Werbegott
in nur angezahltem Loft
auf Zweitausendeuroglastisch
montagsabends
über langen, kristallinen
dicken Schienen aus der Nase blutet:

Dann schaue ich durch’s Brennglas
und suche mich
während du
ganz bald
im feinen
teuren Norden wohnst

ernst.bohne 2013 (Text/Foto)

HOPPALA

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

HOPPALA

Dein Karma hat ’ne Unwucht
es läuft gerad‘ nicht rund
streckst dich aus nach Einklang
fällst in tiefen Schlund
Ying und Yang verwischen
zu klebrig Schlierengrau
es eiern dir die Achten
dein „Om“ steckt noch im Stau

ernst.bohne 2013 (Text/Foto)

HÖHENWINKEL

HÖHENWINKEL (3)

HÖHENWINKEL

Bläu‘ uns ein
welch Kraft du spendest
in der Ferne
spürbar nah

Is‘ ja gut
bekommst ’ne Ecke
Spinngewebe
halbes Jahr

Jetzt beim Tschüss
gehst immer tiefer
da wo’s weh tut
ohne dich

Du darfst gerne
wieder klingeln:
»Tach, Hallöchen,
hier bin ich!«

ernst.bohne 2013 (Text/Foto)

LÄNGSTE ZEIT

LÄNGSTE ZEIT

LÄNGSTE ZEIT

Am letzten Sommertag
finden wir Kühle in den Wäldern
unter Wolken, die am Blau zerklüften
hinter bleichem Stolz

Durch Baumkronen sprenkelt Sonne
Perlmuttbrause in unsere Köpfe:
»Hieße die größte aller Lügen Liebe,
würdest du mir bei deinem Leben vertrauen?«

Am letzten Tag des Sommers
fallen wir in Gewissheit
voller Ruhe
dir, Herbst, um den Hals

(und fürchten keinen Winter)

ernst.bohne 2013 (Text/Foto)